
In den letzten Jahren habe ich zwei Frauen kennengelernt,
die sich unauslöschlich in mein Herz eingebrannt haben.
Die eine nenne ich die Frau aus Eis.
Nicht wegen Kälte, sondern wegen ihrer reinen Stärke.
Ihre Augen, schwarz wie eine mondlose Nacht,
bewahren Geheimnisse, die niemand zu entschlüsseln wagt.
Wenn sie dich ansieht, kannst du nicht weiter sehen –
es sei denn, sie erlaubt es.
Ihre Pupillen sind eine versiegelte Tür,
eine unsichtbare Grenze, die nur sie zu öffnen weiß.
Ihr Haar ist tiefschwarz,
als hätte der Schatten selbst es mit Kraft gefärbt.
Ich nenne sie Eis,
weil das Leben sie in seinem unerbittlichen Lauf
ihrer Identität, ihrer Unschuld, ihrer Richtung beraubte –
nicht um sie gefühllos zu machen,
sondern um sie unzerbrechlich zu formen.
Sie wurde zu erstarrtem Wasser, ruhig, gesammelt,
aber standhaft, selbst wenn um sie herum alles zerfällt.
Die andere ist die Frau aus Feuer.
Beharrlich wie eine Flamme ohne Rast.
Ihr Gesicht verbirgt nichts:
Wenn sie leidet, argumentiert ihre Haut.
Wenn sie sich freut, explodiert ihr Herz in Farben.
Ihre Augen – ach, ihre Augen –
sind lebendige Bücher,
offene Seiten, die Geschichten erzählen,
ohne ein Wort zu sprechen.
Ihr Körper, einst zerbrochen,
wurde neu geboren wie ein Vulkan nach seiner heftigsten Eruption.
Wie Frida Kahlo:
Ihre Wirbelsäule war Eisen, ihr Geist Stahl.
Man sagte ihr, sie könne nie wieder gehen –
und sie ging.
Man sagte ihr, sie könne nie wieder fühlen –
und sie brannte.
Es ist kein zerstörendes Feuer,
es ist ein verwandelndes.
Sie wird immer wieder neu geboren –
in der Liebe, im Schmerz, im Leben selbst.
Das Leben: ein Tanz zwischen Geburt und Tod
Man sagt, wir werden geboren, um zu sterben.
Dass das Leben geliehen ist.
Dass wir nur einen Atemzug dauern können –
oder lange genug, um die Menschen, die wir lieben,
lachen, gehen und neu entstehen zu sehen.
Aber niemand lehrt uns,
wie wir diesen Abgrund annehmen,
ohne in ihn zu fallen.
Eines Tages hörte ich:
„Der Tod ist so schön wie das Leben.“
Ich hielt inne.
Wie kann etwas so Schmerzhaftes Schönheit tragen?
Ich dachte an meine Mutter.
Und meine Augen füllten sich mit Wasser,
das still schmerzte.
Denn auf dieses „Du bist nicht mehr da“
sind wir nicht vorbereitet.
Man lehrt uns zu gehen, zu sprechen, erfolgreich zu sein…
aber niemand lehrt uns,
ein gebrochenes Herz zu überleben.
Als das Universum sich veränderte
Stellt euch Feuer und Eis vor,
als man ihnen sagte,
dass ihr Vater gehen musste.
Sie akzeptierten es.
Diesen ersten Abschied nannten sie Resilienz.
Dann sagte man ihnen,
dass auch ihre Mutter gehen würde –
aber dass ihre Stimme noch da sein werde,
warm, lebendig, durch ein Telefon.
Und sie glaubten es…
Bis eines Tages
kein Anruf kam.
Keine Nachricht.
Kein Rezept, keine Umarmung, kein Lachen am Tisch.
Nur eine unermessliche Leere
mit der Form einer Mutter.
Da blieb das Leben stehen.
Das Echo wohnte in ihrem Haus.
Der Staub nahm die Gestalt der Abwesenheit an.
Und die Dunkelheit schlich sich
in jeden Winkel.
Die Welt ging weiter, als wäre nichts geschehen.
Aber für sie…
erlosch das Feuer.
schmolz das Eis.
Denn bevor sie Töchter sein konnten,
mussten sie Mütter ihrer selbst werden.
Und dennoch, heute…
lebt das Feuer,
und hält seine kleinen Flammen.
Das Eis ersteht neu,
und hält seine gefrorenen Fragmente
mit einer Liebe, so kalt, dass sie schmerzt,
und so warm, dass sie heilt.
Die Menschen urteilen.
Die Menschen vergessen.
Aber sie…
sie tragen ein Datum in die Seele tätowiert,
das jederzeit brennen kann,
ohne Vorwarnung.
Ein ständiges Flüstern:
„Wo ist meine Mama?“
Das unsichtbare Jahr und die Wunden der Welt
Und dann kam das unsichtbare Jahr…
Das Virus, das das Leben anhielt.
Die Straßen verstummten.
Die Krankenhäuser füllten sich.
Abschiede blieben wortlos hängen.
Manche zu Hause.
Andere zwischen weißen Laken.
Die Tage verloren ihre Namen.
Die Stunden wurden schwer.
Und was das Virus nicht tötete,
brach die Seele.
Die Angst nahm Gestalt an:
Angststörungen, Schlaflosigkeit, Panik, stille Depression.
Wir waren Generationen,
gefangen in einer eingefrorenen Zeit.
Während der Planet kaum noch atmete…
brachen andere Schrecken der hervor.
Ukraine und Russland entzündeten einen Krieg,
der ganze Dörfer zerstörte.
Vertriebene Familien.
Kinder mit Augen,
die zu alt waren für ihr Alter.
Und ich, gehend durch die Straßen von Leipzig,
sah Blicke, die keine Kleidung trugen,
sondern Schmerz in zerrissenen Koffern.
Und kam ich nach Hause und schaltete den Fernseher ein…
eine weitere Tragödie erschien:
Gaza und Israel, das Weinen ohne Pause.
Ich wechselte den Kanal…
Venezuela schrie im Stillen.
Ich wechselte wieder…
Kuba widerstand, geschlagen von der Zeit.
Und meine Seele zog sich zusammen.
Ich sah meine Tochter…
und spürte Angst…
Angst vor dem,
was diese Welt ohne emotionale Anleitung
für sie bereithalten könnte.
Die Suche nach Leben, nicht nur nach Überleben
So, wie immer,
zogen die Familien hinaus in die Welt,
auf der Suche nach einem Leben,
das mehr ist als bloßes Überleben.
Und so überquerten auch Feuer und Eis Grenzen,
wie Millionen.
Ohne zu wissen,
dass eines Tages jemand – ich –
ihre Energie bewegen würde,
nur um sie wieder lächeln zu sehen.
Sie entschieden sich, Lateinamerika zu verlassen…
nicht aus Hoffnungslosigkeit,
sondern wegen des Lichts,
das der Westen versprach,
wie ein unsichtbarer Magnet
für jene, die keine Kraft mehr hatten,
ein Morgen ohne Antworten zu tragen.
Im Jahr 2024
öffnete sich der Flughafen Madrid für sie –
ein Tor zu einem Neubeginn.
Eine Familie,
die nur ein paar Koffer tragen konnte…
und Träume, Erinnerungen, Wurzeln zurückließ…
und die Luft,
durch die die Säule ihres Lebens einst gegangen war.
Die Kraft der menschlichen Energie
Das war Magie.
Aber auch tiefe Heilung.
Man sagt, wir sind Energie.
Kann die Energie eines Wesens in uns weiterleben?
Wenn ja,
dann ist sie nicht nur eine Erinnerung,
die im Dunkeln schlägt…
sondern ein strahlendes Licht,
das niemals erlischt.
Und ja…
Man kann wieder lächeln,
um atmen zu können.
Man kann lernen,
auch wenn es uns niemand beigebracht hat.
Auch wenn wir auf diese Reise
nicht vorbereitet waren.
Auch wenn die Welt uns
immer wieder geschlagen hat…
Wir leben.
Und das ist unendlich mutig.


